Traumafolgen und EMDR

Wenn wir eine traumatische, auch Hochstress-, Erfahrung gemacht haben, wird das Erlebte zerstückelt abgespeichert, gleich einem Spiegel, der in viele Scherben zerbricht. Begegnen uns dann im Alltag sogenannte Trigger, das können Gerüche, Farben, Personen, Geräusche oder aber auch Situationen etc. sein, reagiert unser Gehirn auf eben diesen Reiz beziehungsweise ein Bündel dieser Reize, und die Spiegelscherben beginnen, im übertragenen Sinn, zu reflektieren. Unser Körper wird mit Stresshormonen geflutet! Dies kann so intensiv erlebt werden, dass wir das Gefühl haben, wieder durch das traumatische Erlebnis zu gehen. 

 

In Folge kann das Sprachzentrum unterdrückt sein, so dass das Geschehene kaum in Worte gefasst werden kann. Das Gefühl von Sprachlosigkeit stellt sich ein. Auch wird der Selbstschutz wirksam, in dem Teile des Erlebnisses (oder das Gesamte) dissoziiert (abgespalten) werden, um auch weiterhin im Alltag funktionieren zu können. 

Ist das Gehirn mit den beschriebenen, erinnernden Triggern konfrontiert, führt die Flut an Stresshormonen häufig zu inadäquaten Gefühlen und situationsinadäquatem Verhalten, das sich in der Regel unserer Kontrolle entzieht. 

Ich denke, dass es sich an dieser Stelle erübrigt, darauf hinzuweisen, wie belastend diese Umstände für die Betroffenen sind! 

 

EMDR ermöglicht eine Reintegration der blockierten beziehungsweise unvollständig integrierten Erinnerungsfragmente in ein synchronisiertes Erinnerungsnetzwerk. Zudem ist EMDR eine ressourcenorientierte Methode, die in der Lage ist, die Selbstheilungsprozesse zu aktivieren und durch kognitive und emotionale Neubewertung eine spürbare Entlastung zu bewirken. 

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass durch EMDR ein behutsamer Umgang mit der individuellen Traumafolge gewährleistet werden kann. EMDR kann maßgeblich dazu beitragen, dass das Leben wieder mehr einem „Leben als einem Überleben“ gleicht. 

An dieser Stelle ist es mir ein besonderes Anliegen zu betonen, dass Traumafolgen, „normale“ Reaktionen, „normaler“ Menschen auf „abnormale“ Erlebnisse sind.

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